Szenen des Schwindels
Vortrag von Rebekka Ladewig (Kultur- und Medienwissenschaftlerin)
Inhalt
Schwindel ist ein Ausnahmezustand des Subjekts: Der Zusammenhang zwischen Ich und Welt zerreißt, die Welt gerät ins Wanken, wir verlieren das Gleichgewicht und damit den Boden unter den Füßen. Während Desorientierung und Haltlosigkeit zum festen Bestand der medizinischen Symptomatiken des Schwindels zählen, weiß die Kulturgeschichte durchaus von positiven Schwindelerscheinungen zu berichten, etwa dem lustvollen Nervenkitzel, der sich bei Karussellfahrten oder beim Höhen- und Tiefenrausch einstellt.
Warum wird der Schwindel aber zugleich als bedrohlich und als lustvoll empfunden? Wo liegt die Grenze zwischen Kontrollverlust und Selbsthingabe? Und was genau geschieht, wenn die Welt aus den Fugen gerät –– mit unserem Körper, unserer Wahrnehmung und unserem Verhältnis zur Welt? Der Vortrag von Rebekka Ladewig geht diesen Fragen nach und rekonstruiert dabei die Experimentalisierung des Schwindels, die im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Entdeckung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr führte.